Prignitzer Schüler gegen HIV

Folgender Bericht wurde in der MAZ online am 11. Mai veröffentlicht:

In der Prignitz haben Schüler eine Regionalgruppe der bundesweiten Selbstinitiative „Jugend gegen Aids“ gegründet. Es ist bislang die erste Regionalgruppe der Initiative im Norden Brandenburgs. Sie planen Workshops und Aktionen.

Perleberg. „Jugend gegen Aids“ heißt eine bundesweite Eigeninitiative von Jugendlichen. Seit Donnerstag besteht eine Regionalgruppe in der Prignitz; sie ist im ganzen Nordwesten Brandenburgs die erste und bislang einzige. Der Anstoß dazu ging vom Kreisschülerrat Prignitz aus, wie deren Sprecher Hendrik Imm bei der Gründung am Donnerstag berichtete.

Dass sexuelle Aufklärung noch heute ein Problem ist, will man angesichts einer so ungeheuer freizügig wirkenden Zeit gar nicht wahrhaben. Doch wenn es konkret wird, dann regieren noch immer Scham und Hemmung.

„Die Lehrer vermitteln das Grundwissen. Das ist schon prima“, sagt Daniel Nagel, der Vorsitzende dieser bundesweiten Initiative, der zur Regio-Gründung von Berlin nach Perleberg gekommen war. Doch offen über Sexualität wollen Lehrer schon weniger sprechen, besagt die Erfahrung. Die Eltern umschiffen das Thema ganz gerne. „Die Mitschüler wissen auch nicht mehr und im Internet steht nur dummes Zeug.“

Der Kondom-Führerschein ist eines der Projekte der Initiative. „Meist ist es doch so: Im entscheidenden Moment ist die Aufregung so groß, dass das mit dem Kondom gar nicht klappt.“ Es hat nicht die richtige Größe, wird nicht richtig angelegt und rutscht dann ab. Kondome gelten zwar als der wirksamste Schutz gegen Krankheiten, doch so funktioniert der Schutz nicht. „100 Ways not to use a Condom“ (100 Wege, wie man ein Kondom nicht benutzen sollte) heißt die Spaßaktion von „Jugend gegen Aids“. Bunte Kondome werden über Nase, Ohren oder Finger gestülpt oder über den Kopf gezogen und dann aufgeblasen, bis sie platzen. Wer das schafft, hat den Kondom-Führerschein in der Tasche. Die Aktionen sind der Renner bei den Jugendlichen.

Auf dem jüngsten Perleberger Weihnachtsmarkt gab es erstmals einen Info-Stand von „Jugend gegen Aids“. Linda Gruschke vom Oberstufenzentrum Wittenberge berichtete, ihre Mitschülerinnen hätten nur das Gesicht verzogen. „Was? Ihr nehmt da einen Dildo mit? Das geht gar nicht!“ Ihre Lehrer seien schockiert gewesen. Es habe sie amüsiert, wie die ausgeteilten Kondome verschämt weggesteckt worden. Hinterher fanden alle, es sei doch nichts dabei.

Für Schüler der 8. und 9. Klasse hat „Jugend gegen Aids“ ein Projekt entwickelt, das Anna Konopka betreut. Wie Daniel Nagel studiert sie in Berlin. „Das ist eine kostenlose Aufklärung ohne Scham“, sagte sie. Fragen, die Schüler schon immer mal loswerden wollten, die sie Eltern und Lehrern aber nicht stellen wollten, können sie nun loswerden. Es geht nicht nur um die Verhütung von Krankheiten. Was bedeutet sexuelle Identität?, wird etwa gefragt und dann darüber gesprochen. Schulen, die sich dieses Angebot ins Haus holen, bekommen das Prädikat „Positive Schule“.

Bevor jedoch „Jugend gegen Aids“ mit Schulen Partnerschaften eingeht, will die Regionalgruppe zunächst Workshops in Schulen organisieren. „Das Interesse ist auf jeden Fall da“, berichtete Erik Zander aus dem Wittenberger Gymnasium. Aktionen soll es auch in Perleberg am Gymnasium und an der Oberschule geben.

Im Oberstufenzentrum in Wittenberge ist sogar für den 24. Juni ein ganzer Aktionstag geplant. Die erste richtig große Herausforderung für die Prignitzer Regio-Gruppe. Alle Klassen wollen sich für einen Stand etwas einfallen, berichtet Linda Gruschke. Mit Spaß und auf humorvolle Weise soll das Thema „Aufklärung an Schulen“ behandelt werden.

Das Staatliche Schulamt steht „Jugend gegen Aids“ aufgeschlossen gegenüber. Schulrätin Marita Frahm, die zur Gründungsveranstaltung gekommen war, sagte: „Wir wollen Schulen für dieses Thema sensibilisieren.“ Sie habe angesichts mancher Elternreaktion zur Aufklärung an Schulen den Eindruck, dass „man in den letzten Jahren verklemmter geworden“ ist.

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Aufklärung ist nötig: Bei der Gründung der Regional-Gruppe „Jugend gegen Aids“ war auch Schulrätin Marita Frahm (2.v.r.) dabei.
Quelle: Michael Beeskow

Entnommen von der Homepage der MAZ

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