Das Geld fehlt, die Schüler zahlen

Der Prignitzer berichtet online am 03. Juni über folgendes Thema:

Schulamt sieht keine Chance für drei siebte Klassen am Gymnasium Perleberg

Zu diesem Thema könnt ihr uns Meinungen und Leserbriefe schicken. Nutzt dazu einfach unser Kontaktformular.

Perleberg. Fünf Schüler für die kommende siebente Klasse muss Gymnasialleiter Veit Goralczyk-Pehl aus jetziger Sicht ablehnen. „Drei davon aus Perleberg“, sagte er am Dienstagabend im kreislichen Schulausschuss. Nach Aussage von Karl-Heinz Kowalzik, Leiter des zuständigen Regionalschulamtes Neuruppin, seien es sogar neun Schüler, die statt in Perleberg das Gymnasium in Wittenberge besuchen müssten.

Grund ist eine fehlende dritte siebente Klasse, weil es insgesamt zu wenig Anmeldungen gibt (wir berichteten). Die Empörung ist groß, die Diskussion verlief teils emotional und gipfelte in der Anklage: Karl-Heinz Kowalzik verstecke sich hinter Zahlen und vernachlässige die Qualitätssicherung der Ausbildung an Schulen.

An seiner Entscheidung wolle Karl-Heinz Kowalzik festhalten, da ihm sein Stellenplan keine andere Chance lasse. Sowohl das Landesschulamt als auch das Ministerium seien darüber informiert. „Ich muss die Klassenbildung mit dem Gesamtstellenplan abstimmen“, sagte er.

Für Wittenberge gebe es 73 Anmeldungen, für Perleberg 65. In der Elbestadt werden drei siebente Klassen eröffnet, Eltern mit dem Erstwunsch Perleberg können ausweichen. Der längere Fahrweg sei zumutbar, so Karl-Heinz Kowalzik. Auch Pritzwalk bekommt drei siebente Klassen, weil Wittstock keine Schüler aus Pritzwalk aufnehmen könne.

Minutenlang referierte der Schulamtsleiter über Zahlen, Richtfrequenzen und bezog sich am Ende immer wieder auf seine Vorgaben aus dem Ministerium. Zugleich stellte er klar, dass er bezogen auf Perleberg lediglich angeregt habe, über 30 Schüler pro siebente Klasse nachzudenken, da es in diesem Fall Stunden für eine dritte Fremdsprache geben würde.

30 Schüler seien für alle beteiligten eine Herausforderung und Belastung, reagierte Rektor Veit Goralczyk-Pehl. In diesen Klassen könnten keine weiteren Schüler aufgenommen werden: keine Gastschüler, keiner Kinder von Familien die nach Perleberg ziehen, kein Schüler der eigenen Schule, der eine Klasse wiederholen muss. Fachräume in den Naturwissenschaften hätten teils nur 28 Plätze. Die Sicherheitsstandards bei 30 Kindern seien ausgereizt. „Diese Situation ist für das Land Brandenburg unerträglich. Das reiche Land ist nicht in der Lage, eine Klasse für vier Jahre zu finanzieren“, sagte Veit Goralczyk-Pehl.

Hartmut Schneider (SPD) sagte zu Kowalzik: „Sie verstecken sich hinter Zahlen.“ Aus guten Lernbedingungen würden schlechte gemacht. „Wir reden nicht mehr über Menschen, am Ende geht es nur ums Geld“, sagte Torsten Diehn (SPD). Andreas Giske (CDU), Leiter des Wittenberger Gymnasiums, sagte: „Das ist ein Wirtschaften am Rande.“

Um wie wenig Geld es eigentlich geht, sagte Bürgermeisterin Annett Jura: um 1,5 Lehrerstellen die fehlen. „Setzen Sie sich gemeinsam mit uns dafür ein, lassen Sie uns um diese 1,5 Lehrerstellen kämpfen“, forderte Jura Karl-Heinz Kowalzik auf.

Sein Agieren sei nicht nachvollziehbar, das Rechtfertigen mit dem Stellenplan reiche nicht. Der Ausschussvorsitzende Gordon Hoffmann (CDU) und Annett Jura forderten Kowalzik auf, „aus schulfachlicher Sicht für eine Qualitätssicherung der Bildung in der Prignitz einzutreten. „Ich werde ihre Position vertreten, aber nicht mit ihnen in einer Reihe gegen das Ministerium“, lautete die Antwort.

Verfasst von Hanno Taufenbach

Quelle: Prignitzer

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s