Oliver – Ein Austauschschüler aus Mexiko

Seit fast einem Jahr ist Oliver Armando Escudero Chagoyan aus Mexiko-Stadt zu Gast an unserem Gymnasium. Bevor der 17-Jährige am Ende des Schuljahres zurück in seine Heimat geht, haben wir ein Interview mit ihm geführt:DSC04434

Redaktion: Warum hast du dich damals für ein Auslandsjahr in Deutschland entschieden?

Oliver: Mir war bewusst, dass ein Jahr im Ausland sehr hilfreich für meine Zukunft sein würde. Da meine deutsche Schule in Mexiko Auslandsjahre ausschließlich nach Deutschland anbietet, kam ich hierher. So konnte ich meine deutschen Sprachkenntnisse verbessern und die Kultur näher kennenlernen.

Redaktion: Warst du schon einmal zuvor in Deutschland?

Oliver: Ja, das war in der siebten Klasse. Für zwei Wochen war ich dort mit meinen Klassenkameraden auf Klassenfahrt.

Redaktion: Wie hast du dich auf dein Auslandsjahr in Deutschland vorbereitet?

Oliver: Eigentlich habe ich mir im Vorhinein nicht viele Gedanken gemacht. Natürlich überlegt man sich, was für Kleidung mitgenommen werden muss und welche Utensilien für die Schule gebraucht werden. Doch tiefgründig habe ich darüber nicht nachgedacht, sonst wäre vielleicht der Abschied von meiner Familie noch schwerer gewesen.

Redaktion: Du beherrschst sehr gut die deutsche Sprache, woher kommt das?

Oliver: Ich lerne schon ab der ersten Klasse Deutsch. Es ist also meine erste Fremdsprache, so wie es an deutschen Schulen Englisch ist. Mir macht das sehr viel Spaß und dachte im Vorfeld, dass ich darin schon einigermaßen gut bin. Nach den ersten Wochen in meiner neuen Heimat habe ich allerdings gemerkt, dass ich noch sehr viel lernen kann, was die deutsche Sprache betrifft.

Redaktion: Wie lebt es sich bei deiner Gastfamilie?

Oliver: Ich hatte das Glück, das ich meine Gastfamilie schon in Mexiko kennenlernen konnte. Meine jetzige Gastschwester Christin hatte ein Praktikum an meiner Schule in Mexiko. Untergebracht war sie bei mir Zuhause. Als ich nach Deutschland gehen wollte schlug sie vor, dass ich bei Ihren Eltern für das eine Jahr wohnen kann. So lebe ich jetzt seit fast einem Jahr bei Familie Schlink in Krampfer. Da ich aus einer Millionenmetropole komme, war die Ruhe und Gelassenheit auf dem Dorf für mich sehr ungewohnt. Daher war mir anfangs ab und zu langweilig. Doch jetzt unternehme ich viele Sachen am Nachmittag.

Redaktion: Die Prignitz, was gefällt dir daran?

Oliver: Die Ruhe, die Natur, jeder kennt jeden, einfach alles. Anfangs musste ich mich erst einmal hier zurechtfinden. Alles war neu, alles war ungewohnt für mich. Doch mittlerweile habe ich alles in mein Herz geschlossen.

Redaktion: Hast du dich anfangs in Perleberg gut zurechtgefunden, gab es Probleme?

Oliver: Die beiden Häuser unserer Schule, die Turnhalle und die Bushaltestellen habe ich meistens relativ schnell gefunden. Nur bei der Kommunikation gab es anfangs einige Probleme. Ich dachte, wenn ich mit Deutsch nicht weiterkomme, kann ich Englisch sprechen, doch das war nicht so. Dies hat mich immer weiter angetrieben, besseres Deutsch zu lernen.

Redaktion: Hast du dich schnell an das deutsche Klima gewöhnt?

Oliver: Das war eigentlich nicht so schlimm, wie ich dachte. Da ich in der Mitte von Mexiko, in Mexiko-Stadt lebe, ist der Kontrast nicht so groß, denn dort gibt es viele Wälder und Gebirge. Zum Glück war der Winter in Deutschland, so wie ich gehört habe, nicht all zu kalt.

Redaktion: Gibt es große Unterschiede zwischen Mexiko und Deutschland?

Oliver: Beide Länder haben völlig verschiedene Kulturen. Ich finde es super, dass die Deutschen immer arbeiten wollen und zielgerichtet durch das Leben gehen. Doch die Menschen aus Deutschland sind mir zu ruhig. Wir Mexikaner sind immer zusammen mit der Familie und dort feiern wir immer in der Familie so oft es geht, das ist hierzulande nicht so oft der Fall. Die Familien kommen in Deutschland meistens nur am Wochenende zusammen.
Ein weiterer Unterschied ist mein Tagesablauf. So muss ich hier sehr früh aufstehen. Nach der Schule fahre ich entweder nach Wittenberge zum Schwimmen oder nach Hause. In Mexiko kann ich etwas länger schlafen, doch dort komme ich jeden Tag sehr spät nach Hause, da mein Schwimmtraining täglich stattfindet. Und das alles ohne Bus, sondern immer mit dem Auto meiner Eltern.

Redaktion: Was hast du in deiner Zeit in Deutschland erlebt?

Oliver: Ich war in einigen Großstädten, wie Hamburg, Berlin und Magdeburg. Dort habe ich mir viele Sehenswürdigkeiten angesehen und Museen besucht.

Redaktion: Was hat dir bei deinem Aufenthalt in Deutschland nicht gefallen?

Oliver: Eindeutig das lange Warten auf den Bus. In Mexiko wohne ich sehr nah an meiner Schule, daher muss ich selten mit dem Bus fahren. Doch hier in Deutschland warte ich nach der Schule immer auf den Bus, das ist nicht so schön.

Redaktion: Wie hast du deine Freizeit gestaltet?

Oliver: Bereits in Mexiko bin ich fast täglich im Schwimmbad gewesen und habe dann bei Wettkämpfen mitgemacht, das wollte ich hier in Deutschland fortsetzten. So oft ich konnte, war ich in Wittenberge bei einem Schwimm-Kurs und habe dort auch bei Wettkämpfen mitgemacht.
In meiner Altersstufe erreichte ich mehrmals den ersten Platz, in der Gesamtwertung war ich etwas schlechter.
Außerdem habe ich das Malen und Zeichnen für mich entdeckt.

Redaktion: Hast du viele neue Freunde an unserer Schule kennengelernt?

Oliver: Ja, das habe ich. Nachdem es anfangs für mich ziemlich schwer war, mich zu integrieren, bin ich jetzt superglücklich. Ich habe viele neue Freunde gefunden, mit denen ich am Nachmittag und an Wochenenden sehr viel unternehme.

Redaktion: Wie hattest du Kontakt zu deinen Freunden und zu deiner Familie in Mexiko?

Oliver: Zu meinen Freunden und zu meiner Familie hatte ich regelmäßig auf Facebook Kontakt. Mit meinen Eltern habe ich über Skype gesprochen.

Redaktion: Wie sieht deine Zukunft aus?

Oliver: In Mexiko kann ich nun mein deutsches Abitur machen. Das war mein größtes Ziel mit diesem Auslandsjahr.
Anschließend habe ich vor nach Deutschland zurückzukommen, am liebsten nach Berlin, um hier an einer Universität Biologie zu studieren.

Redaktion: Was wirst du von Deutschland vermissen?

Oliver: Einfach alles! Die Menschen, die Mentalität, die Kultur, die Ruhe und die Natur. Ich fühle mich hier sehr wohl.

Redaktion: Worauf freust du dich am meisten, wenn du wieder nach Hause kommst?

Oliver: In erster Linie freue ich mich natürlich auf meine Familie und Freunde. Aber auch auf das mexikanische Essen, hier in Deutschland gab es sehr oft Kartoffeln, in Mexiko essen wir diese selten.

Das Interview wurde geführt von Marcus J. Pfeiffer

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