„Baustellenfest“ des Perleberger Judenhofs

Schon seit mehreren Monaten wird eine Garage im Perleberger Judenhof zu einem Besucherzentrum umgebaut. Für gestern war die Einweihungsfeier geplant, doch der Umbau verzögert sich. Anstatt der Eröffnung gab es ein kleines „Baustellenfest“. Aufgrund der Witterung wurde die Veranstatung in das Foyer des Haus 1 vom Gottfried-Arnold-Gymnasiums verlegt. Dort gab es jüdische Musik von der Gruppe „Sher on a Shier“, diese am Abend noch ein Konzert in der Aula der Schule gaben sowie wurden einige Speisen und Getränke angeboten. Nach den Begrüßungsreden von Hartmut Schneider vom Kulturverein und von Rainer Meißle, einer der Projektinitiatoren, gab es einen kleinen Rundgang auf der Baustelle.
Trotz zahlreicher Untersuchungen, ist man sich immer noch unsicher, was sich damals für ein Gebäude an der Stelle befand, wo zu DDR-Zeiten eine Garage errichtet wurde. Es wird vermutet, dass dort damals eine Mikwe war, ein jüdisches Frauenbad. Denn durch einige Fundstücke konnte bewiesen werden, dass der Judenhof der Kern der jüdischen Gemeinde in der Region war. Aufgrund dessen, dass das damalige Haus nicht mehr zurück konstruiert werden kann, entschied man sich für ein modernes neues Gebäude.
Geplant ist nun in mitten von dem Hof ein Besucherzentrum als Veranstaltungs- und Ausstellungsort zugleich. „Wichtig ist bei den Bauarbeiten“, betont Architekt Stefan Kunzemann, „dass die Grundstruktur der Häuser nicht verändert wird. Alles soll so real wie möglich erhalten bleiben.“
Das einzig zurückgebliebene Dokument vom Perleberger Judenhof ist ein altes Gebetsbuch, welches in der Leipziger Universität gelagert wird. Geplant sei für das neue Besucherzentrum eine digitale Ausgabe zum Nachlesen. Des Weiteren werden viele geschichtliche Aspekte in der Ausststellung zu finden sein. Hauptsächlich von 1270, der Stadtgründung Perlebergs, bis 1511. Das sind die entscheidenden Jahre für die jüdische Bevölkerung in Perleberg, bis sie vertrieben wurden. So werden die Funktionen, Unterschiede zu anderen Gemeinden und die rechtliche Stellung beispielsweise näher erläutert.
„Aus unterschiedlichen Gründen verzögerte sich der Bau. Ein heißes Thema ist natürlich auch die Finanzierung“, so Rainer Meißle vom Projektteam, „Wir sind aber zuversichtlich, dass entweder vor oder nach den Sommerferien im nächsten Jahr das Besucherzentrum eröffnet werden kann.“
Oftmals gelobt wurde die Sparkasse Prignitz als einer der Sponsoren, Annett Jura, Bürgermeisterin der Stadt Perleberg, für die großartige Unterstützung von der Stadt sowie Hagen Boddin als Bauleiter.
Einige Perleberger Vereine wurden ebenfalls in diese Veranstaltung integriert. Im Foyer des Perleberger Gymnasiums stellten sich unter anderem der Bürger-, Altstadt- und Kulturverein vor.
Ebenfalls die Gruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ unserer Schule. Diana Tamplon, Joshua Gura und Domenic Majewski setzen sich gegen Rassismus ein und wollen dies der Jugend näher bringen. Ihr Motto „NO NAZIS“.
Viele Schülerinnen und Schüler aus dem 11. Jahrgang vom Seminarkurs Geschichte waren ebenfalls bei der Veranstaltung dabei. Sie nutzten das Baustellenfest als Unterrichtsverlagerung, damit sie sich über das Thema „Judenhof“ informieren können, um es eventuell in ihrer Seminararbeit einzubauen.

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Fotos und Text: Marcus J. Pfeiffer

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