Kulturlandprojekt 2016: „HandArbeit!“

Handwerk im Zwiespalt der Zeiten

Sobald Frühlingsluft und Frühlingslicht wieder die Stimmung heben und man draußen Ausschau nach den Zugvögeln im Himmel hält, schärfen sich auch die Sinne für andere Entdeckungen. Wer hat schon mal genau auf die Ausleger im Perleberger Stadtkern geachtet, die an vielen Häusern über den Köpfen der Passanten angebracht sind? Historische und moderne, wenn auch mit Gespür für das historische Umfeld nachempfundene, sind Details, die den Reiz des historischen Stadtkernes ausmachen.

Schon vor weit mehr als einem Jahrhundert gab es das, was man heute neudeutsch „eyecatcher“ nennt! In diesem Jahr steht das Handwerk im besonderen Fokus im Land Brandenburg. Am 26. Juni 2016 findet auf dem Perleberger Großen Markt der Auftakt für das Ausstellungs- und Veranstaltungsprojekt „HandArbeit! Handwerk im Zwiespalt der Zeiten“ mit der Perleberger Bürgermeisterin Annett Jura statt. In Perleberg, das sich außerdem auf das 777.Jubiläum vorbereitet, spielte das Handwerk über Jahrhunderte eine große Rolle. 1925 gab es beispielsweise 17 Bäckereien, 16 Fleischereien, 15 Friseure, 20 Maler und Lackierer, 26 Herrenschneider und 21 Damenschneiderinnen, 34 Schuhmacher, 16 Tischlereien.

Das Warenangebot und der Kundenbedarf haben sich seitdem mit Konfektionsware, Warenhäusern und Supermärkten verändert. Völlig verschwunden sind dazu Berufe, deren Waren der Kunde nicht mehr benötigt, wie Böttcher, Drechsler, Färber, Gerber, Handschuhmacher, Korbmacher, Kürschner, Messerschmied, Sattler, Schmied, Schlosser, Seifensieder, Seiler, Stellmacher, Töpfer. Auch deren kunstvolle Ausleger wiesen in den Straßenzügen auf die jeweilige Werkstatt hin. Die meisten sind verschwunden oder wichen um 1900 plakativer Schriftwerbung an Hauswänden und Giebeln, wie z.B. in der Uferstraße für die Tischlerei Schabrod und in der damaligen Moltkestraße für den Photographen Ebert.

Deshalb kann es bei einem der nächsten Stadt- oder Osterspaziergänge durchaus erbaulich werden, den Blick zu heben und besonders auf die Ausleger der Handwerker zu achten, solange es sie noch gibt.

Fotos: Dr. Wolfram Hennies

Es informiert die Stadt Perleberg

 

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