Fortsetzung der Heftreihe über Perleberg

Zum diesjährigen Perleberger Kulturlandbeitrag „HandArbeit! Handwerk im Zwiespalt der Zeiten“ sind zwei Perleberger Hefte als Begleitmaterialien erschienen. Diese sind ab sofort in der Stadtinformation Perleberg erhältlich.

doc01182120160519134448_001Die Beteiligung Perlebergs am diesjährigen Kulturlandthema „Handwerk“ hat viele Synergieeffekte erbracht. Bürgerbeteiligung, ein Zusammenrücken der Handwerksbetriebe, persönliche Informationen zu Familiengeschichten und Bildmaterial aus einstigen Werkstätten, Ausstellungen, Veranstaltungen und Begleitmaterial. Auch die Reihe „Perleberger Hefte“ trägt dem Thema „Handwerk“ Rechnung und wird mit den jetzt erschienenen Heften Nummer 11 und 12 fortgeführt.

Heft 11 hat die spannende Verknüpfung von stadtgeschichtlichen Geschehnissen und einer Fleischerdynastie während eines Zeitraumes von 200 Jahren zum Inhalt. Martina Hennies kam mit den Recherchen im Perleberger Bürgerbuch zum Kulturlandprojekt auf die Idee, Stadtgeschichte mit individuellen Schicksalen konkreter Perleberger Handwerksmeister zu verstricken. Herausgekommen ist ein authentisches Perleberg-Bild zwischen 1650 und 1850. Ihr Anliegen ist es, der sachlichen Darstellung von Stadtgeschichte mit Zahlen und Ereignissen individuelle Lebensgeschichten zuzuordnen. Wenn durch emotionale Ansprache Häuser, Straßen und Plätze mit menschlichen Spuren beseelt und lebendig werden, finden die heutigen Bewohner zu dieser Baukultur ein anderes Verhältnis, womöglich einen achtsamen Umgang damit. Längst ist es nicht mehr die Regel, die Geschichten der einstigen Hausbewohner in den Familien zu tradieren. Neue Eigentümer erwerben Grundstücke als neues Zuhause oder Mietobjekt. Die mündliche Überlieferung von menschlichen Geschichten ist längst abgerissen. Wer waren aber die Menschen, die die stadtgeschichtlichen Ereignisse persönlich erlebten? Wie gestalteten sie ihr Leben, wie fanden sie ihre Identität und ihre Verantwortung? Welche äußeren Einflüsse bestimmten einzelne Biografien? Der interessierte Leser wird im Perleberger Heft 11 durch die verbindliche Erzählweise mitgerissen vom Auf und Ab zwischen Perlebergs Mauern und erhält viele komprimierte Informationen. Der vollständige Titel des Perleberger Heftes 11 lautet: „Die Rittners. Schlächter – Fleischer – Fleischhauer – Metzger. Eine Handwerkertradition zwischen 1650 und 1850 im historischen Stadtkern Perlebergs“. Das Stadt- und Regionalmuseum Perleberg steuerte als Projektpartner Urkunden und Anschauungsobjekte bei. Hervorhebenswert ist, dass die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ des Landes Brandenburg das außergewöhnliche Projekt besonders unterstützte.

Auch das folgende Heft Nummer 12 widmet sich dem Handwerk und ergänzt damit als stadtgeschichtliches Begleitmaterial das Handwerkerprojekt. Es basiert auf einer 200seitigen Diplomarbeit an der Humboldt Universität zu Berlin über die Entwicklung und Wandlung des Stellmacherhandwerks in Perleberg und Umgebung. Das Stellmacherhandwerk gehört zu den ältesten Gewerken in Perleberg. Im Gegensatz zu den Städten, in denen sich vielfältige Berufe und deren Zusammenschlüsse konzentrierten, existierten auf den Dörfern nur vereinzelte Handwerker in fünf Berufen. Im Vergleich zu Heft 11, in dem die Ausbreitung einer Handwerkerdynastie in der Stadt beschrieben wird, steht in dem Heft „Stellmacher – Rademacher – Wagner“ die Flexibilität einer Berufsgruppe im Mittelpunkt, zu der ab dem 19. Jahrhundert vielseitige und größtenteils Dorfhandwerker zu rechnen sind. Diesem Sonderfall der Handwerksgeschichte widmet sich das Themenheft Nummer 12. Dem Leser wird eindrücklich vermittelt, wie schwer der Weg eines Handwerkers bis zu seiner Etablierung als Meister war.
Das Heft erzählt überblicksartig und zugleich detailliert über das Zusammenwachsen der ursprünglich getrennten Rademacher und (Ge-)stellmacher im Spätmittelalter, über den Werdegang eines jungen Handwerkers in der Zunfthierarchie, über Auseinandersetzungen zwischen Zunftmeistern in der Stadt und sogenannten „Pfuschern“ vom Lande, insbesondere im 18. Jahrhundert, und schließlich über den Wandel des Stellmacherhandwerks zum Landhandwerk im 19. Jahrhundert.
Unzählige Gebrauchsgegenstände waren in den zurückliegenden Jahrhunderten aus Holz. Belastbare Transportmittel und Gerätschaften für den Ackerbau kamen aus der Werkstatt eines Stellmachers. Er war Lieferant, Zulieferer und unterhielt auch Kooperationsbeziehungen zu anderen Handwerkern, wie u.a. zu den Schmieden. Neue Materialien (Metalle, Kunststoffe) und gewerbliche Rahmenbedingungen zwangen zu Umstellungen. Inzwischen kann man von einem ausgestorbenen Handwerk sprechen. Wem ist schon bewusst, dass auch die Tradition eines modernen Autohauses auf eine Stellmacherei zurückzuführen ist. Als besonderes Detail mit Blick auf die einstigen Perleberger Stadtverhältnisse sei bereits hier verraten, dass außergewöhnlich häufig Stellmacher als Torwächter an der Stadttoren Anstellung vom Perleberger Rat erhielten. Stellmacher als städtische Angestellte! Der Kreishandwerkerschaft Prignitz, im diesjährigen Kulturlandthemenjahr spezieller Projektpartner, ist zu danken, die dieses Perleberger Heft mit auf den Weg gebracht hat. Zu wünschen ist, dass diese Hefte zu weiteren Geschichten anregen.

Beide Perleberger Hefte sind ab sofort in der Stadtinformation Perleberg für je 2,50 € erhältlich.

Es infomiert die Stadt Perleberg

 

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