Erste Veranstaltung im Perleberger Judenhof

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Aus einer Doppelgarage entstand nach langer Planung und Bauzeit die Begbungsstätte zum Judenhof.

„Der Perleberger Judenhof ist ein Kind mit keiner leichten Geburt“, betont Hartmut Schneider vom Kulturverein. „Unser Plan ist es eine Begegnungsstätte entstehen zu lassen. Wir sind zwar noch nicht am Ziel, aber schon ein ganzes Stück weiter.“
Am vergangenen Donnerstag fand die erste Veranstaltung im Judenhof statt. „Ich habe ein großes Herz für dieses Projekt“, so Annett Jura, Bürgermeisterin der Stadt Perleberg. „Ich bin sehr stolz auf alle Mitwirkenden, dass wir so weit gekommen sind. Dies ist noch nicht die offizielle Einweihung, freue mich aber sehr, diese Veranstaltung miterleben zu können.“
Thema waren die „Juden in der DDR“. Mit diesem Inhalt befassen sich zurzeit Schülerinnen und Schüler des elften Jahrgangs unseres Gymnasiums in ihrer Seminararbeit. An der Ausstellung in der Begegnungsstätte werden die Gymnasiasten tatkräftig mitwirken.
Zu Gast im Judenhof war Konrad Weiß, ein bekannter katholischer Bürgerrechtler. 1942 in Schlesien geboren und in Genthin aufgewachsen, arbeitete er als Filmregisseur, Publizist und Politiker. Er ist Mitbegründer der Bewegung „Demokratie jetzt“ und Abgeordneter der ersten frei gewählten Volkskammer.

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Fimregisseur Konrad Weiß im Interview mit Rainer Meißle.

Im Interview mit Fotograf und Projektinitiator Rainer Meißle beantwortete Konrad Weiß alle Fragen der Schülerinnen und Schüler unseres Gymnasiums für ihre wissenschaftliche Arbeit. Anschließend wurde sein Film „Dawids Tagebuch“ präsentiert. In den 80er Jahren geriet er bei dem Filmvorhaben in Konflikt mit der Staatsräson der DDR und mit den Mitarbeitern der Produktionsstudios, wie der Regisseur berichtete.
Der Film selbst erzählt die Geschichte eines jüdischen Jungen, der ab 1940, ein halbes Jahr nach der Besetzung Polens damit beginnt, in seinem Tagebuch die Willkür und Gewalt der deutschen Soldaten mit kindlicher Genauigkeit zu notieren. 1942, mit zwölf Jahren, wurden er und alle anderen Juden des Dorfes nach Treblinka deportiert, dort, wo er wenig später ermordet wurde. Sein Tagebuch blieb zurück und wurde 1957 gefunden und veröffentlicht.
Auch in naher Zukunft wird es entlang des Schulprojektes weitere interessante Vorträge im Judenhof geben. Am 07. Juli referiert Prof. Wolfgang Benz, Historiker und Vorurteilsforscher, über das Thema „Was ist Antisemitismus?“. Am 14. Juli besuchen Prof. Frank Stern und Chasan Jalda Rebling den Perleberger Judenhof und berichten über das „Jüdische Leben in einer Stadt des Mittelalters“.

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Zahlreiche Gäste sind zu der ersten Veranstaltung in den Perleberger Judenhof gekommen.

Fotos und Text: Marcus J. Pfeiffer

 

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