Ministerpräsident Woidke exklusiv im Gespräch

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Chefredakteur Marcus J. Pfeiffer im Gespräch mit dem Ministerpräsident von Brandenburg.

Gestern Nachmittag bekam unser Gymnasium hohen Besuch aus Potsdam: Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke hat sich zusammen mit der Koordinierungsstelle „Tolerantes Brandenburg“ angekündigt. Mit Landrat Torsten Uhe und dem Politiker Holger Rupprecht verschafften sie sich vor Ort ein Bild von der Sprachtandemgruppe unserer Schule.
Wir von der Schülerzeitung hatten zudem die Möglichkeit ein exklusives Interview mit Herrn Dr. Woidke zu führen:


Hier geht es zum Bericht der Veranstaltung


Wir freuen uns sehr, dass Sie sich heute für ein Interview der Schülerzeitung GAG Times zeitnehmen.

Redaktion: Eine Frage zu Ihrer Person: Nach dem Abitur und NVA-Grundwehrdienst in Cottbus studierten Sie Landwirtschaft und Tierproduktion bzw. Ernährungsphysiologie an der Humboldt-Universität in Berlin. Wie kamen Sie zur Politik?

Woidke: Bereits 1986 habe ich angefangen an der Humboldt-Universität im Bereich der Ernährungsphysiologie von Nutztieren zu arbeiten. Zu dieser Zeit und schon zuvor als Student war ich politisch sehr engagiert, vor allem in der Elisabethkirche, meiner damaligen Studentengemeinde in der Invalidenstraße. Es war ein weiterer kleiner Schritt dies nach dem Mauerfall weiterzuführen. Zunächst bin ich erst einmal für drei Jahre von 1990 bis 1993 nach Niederbayern zum Arbeiten gegangen. Als ich zurückgekommen bin, habe ich zwei Dinge gemacht. Zum einen habe ich meine Doktorarbeit fertig geschrieben und zum anderen bin ich in die SPD eingetreten. Dort fühle ich mich bis heute sehr wohl, vor allem, nachdem was wir Anfang der 90er-Jahre erlebt haben, das muss weiter fortgeführt werden. Die wirtschaftliche Kompetenz mit sozialer Gerechtigkeit wirkt zusammen schon sehr gut wie hier in Brandenburg. Doch wir sind noch lange nicht am Ziel und müssen noch viel mehr tun.

 

Redaktion: Was können Sie Schülerinnen und Schüler mit auf den Weg geben, die später selbst einmal in die Politik gehen wollen?

Woidke: Da ich heute hier dieses wunderbare Projekt besuche und mir alles angeschaut habe bin ich der Meinung, dass ich den Schülerinnen und Schülern eurer Schule gar nicht so viel mit auf den Weg geben muss. Das Wichtigste ist sich für die Dinge selber zu engagieren, die man erreichen will und Sachen nicht einfach so hinzunehmen, die einem nicht gefallen. Man sollte nicht einfach nur rumsitzen und jammern, sondern solche Projekte anschieben, wie hier beispielsweise das Tandemprojekt, um Integration möglich zu machen. Es ist aber auch wichtig sich um andere Dinge zu kümmern, die rechts und links passieren, damit es noch eine bessere und gerechtere Gesellschaft wird. Was mich hier am Perleberger Gymnasium besonders beeindruckt ist die soziale Kompetenz, dass man mit anderen Menschen gerne zu tun hat, kreativ ist und Ideen hat. Ich denke, eure Schule braucht darin keine Nachhilfe.

 

Redaktion: Am 28. August 2013 wurden Sie nach dem Rücktritt von Matthias Platzeck Ministerpräsident des Landes Brandenburg. Was sind für Sie besondere Herausforderungen in dieser Position?

Woidke: Eine große Herausforderung ist Brandenburg gerechter zu machen. Das ist immer leicht gesagt mit einem kurzen Satz. Wir sind noch längst nicht am Ende. Wir müssen aufpassen, dass die Gesellschaft nicht immer weiter auseinanderdriftet, dass Menschen die wenig haben noch weniger haben und reiche immer reicher werden. Das ist glaube ich eines der grundlegenden Probleme mit der gleichzeitigen Stärkung der Rechtsextremisten und Rechtpopulisten. Dies einzudämmen ist zudem Grundlage der Regierung und das Ziel, an dem wir gemeinsam arbeiten. Es geht los mit der Bildungsgerechtigkeit. Jedes Kind, das hier in Brandenburg geboren wird oder hierher kommt hat die gleichen Chancen unabhängig von der Herkunft. Die alte Idee, dass es meinen Kindern später besser gehen soll und ein Aufstieg ermöglicht wird, soll zur Realität gemacht werden. Das ist die grundlegende Herausforderung, die Frage nach sozialer Gerechtigkeit muss in den Mittelpunkt gestellt werden. Die Bildungspolitik ist heutzutage von dem anderen großen Punkt, die Wirtschaftspolitik, gar nicht mehr zu trennen. Früher haben beide immer diskutiert, wer Geld bekommt. Heute ist eine gute Bildungspolitik gleichzeitig die beste Wirtschaftspolitik. Wiederum ist die Wirtschaftspolitik dafür entscheidend, was wir uns in Zukunft leisten können und welche Zukunft einzelne Regionen haben werden. Es ist für mich ein großes Ganzes, ein Bild, an dem wir weitermalen. Heute haben wir gerade die sehr schöne Nachricht bekommen, dass die Arbeitslosigkeit bei 7,7 Prozent liegt, erstmalig unter acht Prozent und das auch sehr deutlich. Die Entwicklung ist gut, wir haben eine feste Basis, aber wir dürfen nicht nachlassen und müssen weiter ranklotzen.

 

Redaktion: Heute Vormittag waren Sie bereits auf einer Veranstaltung in der Wittstocker Stadthalle zum Dialog-Forum Integration und Ehrenamt. Nun besuchen Sie das Integrationsprojekt unseres Gymnasiums.
Welche Maßnahmen ergreift die Landesregierung für ein besseres Einleben von Flüchtlingen?

Woidke: Wir haben im letzten Jahr das „Bündnis für Brandenburg“ ins Leben gerufen. Das hatte mehrere Gründe: Der erste Grund war, dass wir uns bewusst geworden sind, dass die Integration eben nicht mal so nebenher zu machen ist. Alle können dort wirklich mithelfen. Von Gewerkschaften, über Kirchen, Arbeitgeber, bis hin zu Sportvereinen, Landesanglerverein und viele mehr, die engagiert sind. Diese wollen wir zusammenbinden, wir haben vor Netzwerke zu schaffen und solche Projekte wie das Tandemprojekt eurer Schule bekannt zu machen, damit wir möglichst überall für gelungene Beispiele auch Nachahmer haben, doch nicht jeder muss das Fahrrad neu erfinden. Über einen regen Austausch wollen wir solche Projekte voranbringen. Integration in der Gesellschaft ist ein wichtiger Punkt. Nicht nur Menschen die auf der Flucht sind, sondern die Gesellschaft selber. Über Integration müssen Begegnungen geschaffen, Kontakte geknüpft sowie Vorurteile und Ängste abgebaut werden. Das ist für unsere Gesellschaft ganz wichtig. Der dritte Punkt für das „Bündnis für Brandenburg“ war, dass wir ein Signal nach außen setzen wollten, über die Landesgrenzen hinweg. Wir wollten aufzeigen, dass die Mitte der Gesellschaft nicht fremdenfeindlich, nicht rechtspopulistisch und nicht rassistisch tickt. Ich bin der Meinung, dass gerade zu einer Zeit als Pegida durch Dresden marschierte dieses Zeichen immens wichtig war. Wir haben eine gute Entwicklung hinter uns. Wir sind ein modernes, weltoffenes und selbstbewusstes Land, aber wenn wir diese Entwicklung weiter fortsetzten wollen, müssen wir diese Weltoffenheit auch leben und die große Herausforderung der Integration gut bewältigen.

 

Redaktion: Täglich kommen viele Schülerinnen und Schüler unseres Gymnasiums mit dem Bus zur Schule. Ab August dieses Jahres gilt in der Prignitz ein neuer Busfahrplan aufgrund eines Betreiberwechsels.
Daher verlängern sich viele Fahrten, morgens müssen die Schüler teilweise bis zu 45 Minuten früher aufstehen, Dörfer unter 150 Einwohner sollen gar nicht mehr angefahren werden. So kommen Befürchtungen auf, dass ein reibungsloser Schulweg für viele Fahrschüler nicht mehr möglich ist.
Inwiefern besteht Ihrerseits eine Möglichkeit Betroffene zu Unterstützten und einen reibungslosen Schulweg zu ermöglichen?

Woidke: Wir sind da als Land natürlich mit dran beteiligt, ganz klar. Wir finanzieren über den öffentlichen Personennahverkehr den Verkehr in ganz Brandenburg. Realisiert wird das Ganze allerdings über die Kreisverwaltung, die dann entsprechend die Anbieter bestellt und die Fahrpläne erarbeiten lässt. Ich hoffe sehr, dass wir in den kommenden Jahren mehr tun können, auch gerade im Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs, denn das ist der Rahmen, in dem sich auch die Landkreise bewegen müssen. Dieses Thema ist für die Entwicklung der ländlichen Räume immens wichtig, die Erreichbarkeiten weiter zu haben. Des Weiteren vor dem Hintergrund der älter werdenden Gesellschaft ist es wichtig, den öffentlichen Personennahverkehr nicht abzubauen und deswegen sind wir mit den Landkreisen gemeinsam an der Arbeit.

 

Weitere Informationen zu dieser Frage konnte uns Landrat Torsten Uhe geben, der ebenfalls bei dem Interview anwesend war:

Uhe: Der Fahrplan in der Prignitz wurde im Herbst neu erarbeitet und verabschiedet. Es wird gewiss für einige eine Umstellung geben. Wir gehen aber davon aus, dass der ÖPNV nicht geschwächt, sondern gestärkt wird. Wir stellen aber ganz bewusst Parallelverkehre ein, wo es geht. Uns war es auch wichtig, dass der Schienenverkehr genutzt wird. Wir versuchen nun eine vernünftige Bündelung dieser Verkehrsanbindungen zu schaffen und zu stärken. Es wird bestimmt noch Änderungen und Korrekturen geben, so wie es jetzt schon der Fall war. Nicht jeder Wunsch wird realisierbar sein, aber für uns ist entscheidend, dass alle rechtlichen Normen eingehalten werden. Der ÖPNV wird ganz bestimmt ein Thema sein, das uns auch in den nächsten Monaten weiterhin begleiten wird.

 

Vielen Dank für das Interview!

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Die Schülerzeitung GAG Times im exklusiven Interview mit Ministerpräsident Dr. Dietmar Woidke.

Hier geht es zum Bericht der Veranstaltung


Das Interview wurde geführt von Chefredakteur Marcus J. Pfeiffer.
Fotos: Elisa M. Schlosser

 

2 Gedanken zu “Ministerpräsident Woidke exklusiv im Gespräch

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