Perleberger in Gedenken an die Pogromnacht

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Emely Schulz, Schülerin unseres Gymnasium, beim Reinigen eines Stolpersteins.

Die Pogrome im Jahr 1938, vielleicht aus dem Geschichtsunterricht auch bekannt als (Reichs-)Kristallnacht oder Reichspogromnacht bezogen auf die Nacht vom 9. zum 10. November, waren vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich. Dabei wurden etwa 400 Menschen ermordet oder in den Suizid getrieben und über 1.400 Synagogen, Betstuben und sonstige Versammlungsräume sowie Tausende Geschäfte, Wohnungen und jüdische Friedhöfe zerstört. Ungefähr 30.000 Juden wurden daraufhin in Konzentrationslagern inhaftiert, von denen Hunderte ermordet wurden oder an den Haftfolgen starben.
An dieses grausame Ereignis erinnern jährlich die Gruppe „Schule ohne Rassismus  – Schule mit Courage“ unseres Gymnasiums und die Mitglieder im Bund der Antifaschisten in Perleberg. Am Mittwochabend versammelten sie sich traditionell mit weiteren interessierten Perlebergerinnen und Perlebergern zum Reinigen der vier Stolpersteine im Stadtgebiet.

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Stolperstein von Adolf Lewandowski in der Perleberger Karl-Marx-Straße.

Die Stolpersteine sind im Boden verlegte kleine Gedenktafeln, die an das Schicksal der Menschen erinnern sollen, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. „Stolpersteine. Ein Kunstprojekt für Europa.“ heißt ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann und noch immer stetig erweitert wird.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von Peter Krips, Leiter der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten. „Ich bin erfreut, dass so viele Interessierte gekommen sind, die Anteilnahme zeigen, an dem Leid der jüdischen Bevölkerung in der damaligen Zeit“, so Peter Krips. „Ich rufe dazu auf, dass alle jungen Leute diesen Gedanken der Gemeinsamkeit mit in die Zukunft tragen und weiterhin diese Tradition bestehen bleibt“.

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Musikalischer Beitrag der evangelischen Kirchengemeinde mit Pfarrerin Verena Mittermeier.

Einen musikalischen Beitrag zu Beginn des Gedenkabends gab es von einem Chor der evangelischen Kirchengemeinde mit der Perleberger Pfarrerin Verena Mittermeier. „Als Christen sind wir mit diesem Schicksal der Juden eng verbunden. Wir stehen hier vor dem Haus von Frau Malwine Sternberg. Jeden Tag sah sie von Zuhause aus die St. Jacobi Kirche bis zum Tag ihrer Flucht“, berichtet die Pfarrerin.
Gereinigt wurden alle vier Stolpersteine in Perleberg: Auf dem Großen Markt, in der Parchimer Straße, Am Hohen Ende und in der Karls-Marx-Straße.
Jeweils berichtete die Schülergruppe „Schule ohne Rassismus  – Schule mit Courage“ über interessante geschichtliche Details zum Gedenken an die Personen. „Wir erinnern heute an ein wichtiges Ereignis, das man nie vergessen darf“, mein Daniel Pöhl, Leiter der Gruppe unserer Schule. „Fremdenhass, Diskriminierung und politische Hetze darf es nie wieder geben.“ Mit etwas acht Mitgliedern war die Schülergruppe am Mittwochabend vor Ort.
Anschließend wurde im Dokumentationszentrum – Zentrum ein Film von Ulrich Teschner gezeigt mit dem Titel „Die Juden sind weg“, der das Thema nochmals intensivierte.

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Das reinigen der Stolpersteine.

Fotos und Text: Marcus J. Pfeiffer

 

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