Schulstunde mal anders

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Kein Mobbing!

Selbstbewusst „Stopp“ sagen und Mobbing vermeiden – Courage in der Klasse 7.2

Vor einigen Wochen fing der Unterricht für unsere Klasse mal ganz anders an. Im Stuhlkreis begrüßten wir morgens außer unsere Klassenlehrerin Frau Pein, noch zwei andere Frauen in unserem Klassenraum. Andrea und Sandra, so durften wir die beiden nennen. Die beiden Antigewalt- und Kompetenztrainerinnen, die sonst mit schweren Jungs in einer Justizvollzugsanstalt arbeiten, hatten für zwei Unterrichtsstunden das Kommando bei uns übernommen. Mit der „Wilden Acht“ wurden wir aufmerksam gemacht, auf uns selbst. Der Größe nach liefen wir, ohne zu reden, eine Acht. Wir mussten alle aufeinander achten und die Geschwindigkeit anpassen, um uns nicht anzurempeln. Dabei wurde es richtig spannend. Doch was hatte das Ganze mit Selbstbewusstsein und Mobbing zu tun? Es ist das Gegenseitige aufeinander Acht geben und Respekt haben, aber auch die Größe, zu sagen, Nein so nicht!
Distanz und Nähe waren zu spüren, was einigen von uns unangenehm war. Wie weit darf mein Gegenüber mir zu nahe kommen, was gefällt mir nicht mehr? Wo hört der Spaß bei körperlichen Kontakten auf? Mit Magneten an Tafelbildern machten wir Jungs und Mädchen, getrennt voneinander klar deutlich, an welchen Körperteilen wir nicht berührt werden möchten. Wie nah man Kontakt zulassen will, konnte jeder ganz gut einschätzen. Eine ausgestreckte Armlänge ist bei den meisten der Abstand, der nicht unterschritten werden soll. Das probierten wir paarweise in einer nachgestellten Situation aus.

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Keine Gewalt!

Erst vorsichtig, aber dann doch klar, sagten alle laut und deutlich STOPP zu ihrem Rollenspielpartner. Eine einfache Übung, die erst Überwindung kostete, aber dann gut klappte. Etwas ernster war es dann beim schweigenden Aufstehen, hier war es bedrückender. „Stehe schweigend auf, wenn du schon einmal gemobbt wurdest“, „Stehe schweigend auf, wenn Du schon einmal jemandem körperlich wehgetan hast.“, „Stehe schweigend auf, wenn Du dich schon einmal hässlich gefühlt hast.“, oder auch „Stehe schweigend auf, wenn Du schon einmal gelästert hast.“. Das sind nur einige Sätze, die gesagt wurden und fast alle aus der Klasse sind mindestens zwei- oder dreimal aufgestanden. Fast jeder wurde also schon einmal gemobbt oder war auf der anderen Seite und hat mitgemacht. Das gab uns doch schon zu denken.
Bei Mobbing soll keiner wegschauen und schon gar nicht mitmachen. Und jeder, der in eine solche schwierige Situation gerät, soll Hilfe suchen und annehmen. Positiver ging es dann Richtung Schluss mit dem Smiley-Ball zu. Dort warfen wir uns gegenseitig den Ball zu und sagten, was wir am anderen schätzen. Mit Emoji-Kärtchen in verschiedenen Stimmungen verabschiedeten sich Andrea und Sandra. Dieser Schnupperkurs zur Stärkung des Selbstbewusstseins und gegen Mobbing war für alle sehr interessant und hilfreich. Mal schauen, was wir uns so trauen.

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Wie nah darf mir mein Gegenüber kommen? – Tafelbild der Stellen des Körpers, an denen man nicht berührt werden will.   Foto: Connor Arndt

Text: Connor Arndt, Redakteur der GAG Times aus der Klasse 7.2

 

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