Totenkronen für Himmelskinder

Neue Sonderausstellung im Stadt- und Regionalmuseum Perleberg
„Totenkronen für Himmelskinder“ vom 30. April bis 20. August 2017

Ausstellungseröffnung am Sonntag, den 30. April um 11.00 Uhr

Totenkronenbrett für ein 1848 mit 15 Jahren verstorbenes Mädchen, SRM Perelberg (Copy).jpg
Totenkronenbett für ein 1848 mit 15 Jahren verstorbenes Mädchen.

Am kommenden Sonntag, 30. April 2017 um 11.00 Uhr eröffnet das Stadt- und Regionalmuseum Perleberg die nächste Sonderausstellung – eine von der Berliner Kuratorin Sylvia Müller -Pfeifruck konzipierte Wanderausstellung über den Totenkronenbrauch in Brandenburg, ergänzt um herausragende Exponate aus dem Bestand des Stadt- und Regionalmuseums Perleberg, aus altmärkischen und Prignitzer Kirchen.
Auch die drei in Särge gebetteten Totgeburten bzw. sehr früh verstorbenen Säuglinge auf dem Hasse-Gemälde im Eingangsbereich des Museums, Anna, Samuel und Christophorus, tragen Totenkronen.
Seit etwa 1550 verbreitete sich im christlichen Europa ein besonderer Brauch beim Begräbnis ledig Verstorbener: man beging das Begräbnis als Hochzeit und widmete den zu früh gegangenen Totenkronen. Diese galten als Ersatz für die zu Lebzeiten entbehrte Brautkrone, als Zeichen der Jungfräulichkeit ebenso, wie als Vorstufe der Krone des ewigen Lebens mit dem himmlischen Bräutigam Christus. Die Taufe eines Kindes galt als Verlobung der Seele mit Chri stus, der Tod eines Kindes als Hochzeit mit ihm. Daher wurden Totenkronen auch männlichen Ledigen verehrt.

Haarbild für zwei 1884 verstorbene Geschwister, SRM Perleberg (Copy)
Haarbild für zwei 1884 verstorbene Geschwister.

Zunächst wurden die Kronen mit ins Grab gegeben. Im Barock ging man dann dazu über, sie in den Gotteshäusern als Gedächtnismale für alle sichtbar auszustellen. Man hängte sie an Wänden und Emporen oft über dem Kirchenstuhl der betroffenen Familie auf. Manchmal wurden dafür Konsolbretter oder verglaste Kästen angefertigt. Im 19. Jahrhundert findet man auch vertiefte und verglaste Bilderrahmen mit Kränzen oder Kissen.
Über Jahrhunderte prägten die farbenfrohen Kronen, die verschiedenste Formen und überwiegend künstliche Materialien aufwiesen, in heute kaum mehr vorstellbarem Maße die Atmosphäre der Kirchen. Sie brachten „Poesie und Leben“ in die Gotteshäuser, wie Theodor Fontane eindrucksvoll niederschrieb. Heute sind diese Sachzeugnisse rar geworden. Sie wurden im 19./20. Jahrhundert massenhaft aus den Kirchen entfernt. Leider gehört die Prignitz dabei zu jenen Landstrichen, in denen man dabei besonders gründlich vorging.

Sargporträt für einen 1664 verstorbenen Säugling mit Totenkrone. Ausschnitt aus dem Gedächtnisbild der Familie Hasse von 1687, SRM Perleberg (Copy)
Sargporträt für einen 1664 verstorbenen Säugling mit Totenkrone. Ausschnitt aus dem Gedächtnisbild der Familie Hasse von 1687.

Die Ausstellung führt einige der wenigen in der Prignitz noch erhaltenen Denkmäler des Brauches zusammen, ergänzt um Beispiele der angrenzenden Altmark. Sie bettet den Totenkronenbrauch in eine übergreifende Betrachtung der enorm hohen Kindersterblichkeit in der Vergangenheit ein und fragt nach dem Umgang der Menschen mit dieser Tragödie.
Heute kommt es zum Glück nur noch selten vor, dass Menschen bereits als Kinder und Heranwachsende versterben. Geschieht es doch, erzählen reich mit Engelsfiguren und Spielzeug versehene Kindergräber ebenso wie blumengeschmückte Straßenkreuze von dem Leid und der Trauer der Eltern und Geschwister, der Freunde und Weggefährten.


Es informiert die Stadt Perleberg
Fotos: Stadt- und Regionalmuseum

 

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