Auf Spuren Gerhart Hauptmanns

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Gerhart Hauptmann

Am Donnerstag ging es für den zwölften Jahrgang unseres Gymnasiums auf große Fahrt. Bereits innerhalb des Deutschunterrichts befassten sich die Abiturienten mit dem deutschen Dramatiker und Schriftsteller Gerhart Hauptmann. „Die Prüfungen rücken immer näher, auf die unsere Zwölftklässler so gut wie möglich vorbereitet sein sollen“, betont Marion Krieg, Deutschlehrerin, stellvertretende Schulleiterin und begleitende Lehrkraft am Donnerstag. „Gerhart Hauptmann ist unter anderem ein Schwerpunkt in der Deutschprüfung, daher beschäftigen wir uns heute intensiv mit seinem Leben und seinen Werken.“

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Zahlreiche Bücher gab es zu erkunden.

Gerhart Hauptmann lebte von 1862 bis 1946. Geboren und aufgewachsen in Schlesien ging er vorzeitig von der Schule ab und begann in der Landwirtschaft auf den Gütern seines Onkels zu arbeiten, brach die Lehre allerdings im September 1879 aufgrund einer schweren Krankheit wieder ab. Erste kleine Gedichte und Epen entstehen. Er lernt Marie Thienemann kennen, die ihn wirtschaftliche Sicherheit verschafft. Gerhart Hauptmann unternahm Reisen nach Spanien, Italien, der Schweiz und auf Hiddensee. Nach der Verlobung mit Marie Thienemann zog er nach Berlin, anschließend im Jahr 1885 nach Erkner. Dort knüpfte er viele Bekanntschaften, auch am Hofe.

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Bilder und Schriften über Leben und Werk.

Das Haus, das er zu dieser Zeit in Erkner bewohnte besichtigten am Donnerstag die Schülerinnen und Schüler aus dem zwölften Jahrgang unserer Schule. Nach einem interessanten Vortrag und einem Film über das Leben des Schriftstellers ging es in die Ausstellung und Wohnräume der „gelben Villa“. Zum Teil handelte es sich noch um das originale Mobiliar, das bestaunt wurde.
Es folgten zahlreiche dichterische Erfolge Hauptmanns, doch eines seiner größten Erfolge sollte das Theaterstück „Vor Sonnenaufgang“ aus dem Jahr 1889 werden. Aus einem anfänglichen Skandal, da das naturalistische Stück Selbstmord und soziales Elend ungeschönt auf die Bühne brachte, wurde es ein bis heute erfolgreiches Stück.

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An diesem Schreibtisch arbeitete Hauptmann.

Und davon konnten sich die Zwölftklässler aus Perleberg am Donnerstag selbst überzeugen. Denn nach dem Besuch in Erkner ging es in das „Theater an der Parkaue“ in Berlin Prenzlauer Berg, wo das Theaterstück aufgeführt wurde.
Für Gerhart Hauptmann folgten nach „Vor Sonnenaufgang“ viele Auszeichnungen, Ehrungen und Erfolge, beispielsweise mit „Die Weber“, „Die Ratten“ und „Vor Sonnenuntergang“. Nach der Scheidung von Marie Thienemann heiratete er Margarete Marschalk. Mit beiden Frauen hatte Hauptmann Kinder. 1946 stirbt Gerhart Hauptmann in Agnetendorf und wird später in Kloster auf Hiddensee beigesetzt.

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Das Museum bot zahlreiche Informationen, mit denen sich die Perleberger Abiturienten bestens auf die Prüfung vorbereiten konnten.

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Schwimmen im Unterricht

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Das Springen vom Startblock gehört dazu.

In dieser Woche endete das diesjährige Schwimmlager am Perleberger Gottfried-Arnold-Gymnasium. Auch in diesem Schuljahr fand der Unterricht in der “Prignitzer Badewelt“ in Wittenberge statt. „Im Perleberger Freibad waren wir immer sehr abhängig vom Wetter“, erklärt Anke Hildebrandt, Sportlehrerin und Rettungsschwimmerin an unserem Gymnasium. „Daher findet das Schwimmlager seit ein paar Jahren kurz vor den Winterferien im Wittenberger Hallenbad statt und nicht vor den Sommerferien im Perleberger Freibad.“
Etwa 80 Schülerinnen und Schüler aus der siebten, teilweise auch aus der achten Klasse, lernten so innerhalb einer Woche das Brustschwimmen, Rückenschwimmen und viele verschiedene Sprungtechniken kennen.

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Schwimmen soll gelernt sein.

Zusammen mit den Lehrern Frau Hildebrandt, Herrn Brandl und Frau Kossmann wurde so jeden Vormittag tatkräftig trainiert mit dem Ziel, eine gute Zensur in den einzelnen Disziplinen zu erreichen. “Im Schwimmlager kann man vom Seepferdchen bis Gold alle Schwimmstufen erreichen“, berichtet Frau Hildebrandt.
Die Schülerinnen und Schüler wurden je nach Können in drei verschiedene Leistungsgruppen eingeteilt, wo ganz nach den Bedürfnissen der jeweiligen Gruppe angepasst trainiert wurde. Schritt für Schritt ist neues gelernt und gefestigt worden, wobei Schüler aus dem elften Jahrgang helfend zur Seite standen.

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Spaß in der Freizeit beim Rutschen.

Großen Spaß gemacht hat natürlich auch den meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Freizeit im Hallenbad. Rutschen, toben, sich treiben lassen, einfach mal mit den Klassenkameraden ausgelassen im Wasser spielen oder Rutschen gehen war für viele eine schöne Abwechslung zwischendurch. „Die Freizeit hat mir sehr gefallen, doch ich finde es auch gut, so viel Neues gelernt zu haben“, erzählt Schülerin Rika Ellen Krüger. „Klar ist es schwer in so kurzer Zeit so viel zu lernen, doch das war es wert.“
Mit dem Ziel die Techniken und Schwimmstufen der Schülerinnen und Schüler zu verbessern finden für die siebten und elften Jahrgänge in Brandenburg verpflichtend diese Schwimmlager statt. „Ich finde es gut, dass es das Schwimmlager gibt. Es macht den Schülerinnen und Schülern nicht nur Spaß, sie lernen auch gleich etwas fürs Leben“, ergänzt Frau Hildebrandt abschließend.

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Schwimmen wie die Profis.

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Bürgermeisterin stellt Unternehmen neuen Wirtschaftsförderer vor

Vor einigen Tagen nutzte Bürgermeisterin Annett Jura die Gelegenheit bei ihrem Unternehmensbesuch in der Glaserei Bahlke und Rothe, Christian Fenske, als neuen Ansprechpartner für die kommunale Wirtschaftsförderung in Perleberg vorzustellen. Christian Fenske ist seit Anfang Januar Geschäftsführer der Technologie- und Gewerbezentrum Prignitz GmbH. Die Stadt Perleberg hat mit Beginn des Jahres und dem Erwerb von 50% der Gesellschaftsanteile an der Technologie- und Gewerbezentrum Prignitz GmbH die Aufgaben der kommunalen Wirtschaftsförderung an die Gesellschaft übertragen. Ziel ist es, die Wirtschaftsförderungen von Wittenberge und Perleberg zusammenzuführen und gegenseitig Synergieeffekte zu erzielen.
Die Glaserei Bahlke & Rothe GmbH ist eines von 20 Unternehmen, die die Bürgermeisterin Annett Jura in der Zeit von Dezember 2016 bis Januar 2017 besuchte.
„Es ist mir ein Anliegen, mit den Unternehmern der Stadt ins Gespräch zu kommen und mir ein persönliches Bild über die Situation der Wirtschaft in Perleberg zu machen. Die Gelegenheit, Herrn Fenske vorzustellen hat sich angeboten, so konnten die Themen des Unternehmens direkt an den neuen Wirtschaftsförderer adressiert werden.“
Die Glaserei Bahlke & Rothe GmbH ist als Perleberger Handwerksunternehmen seit 13 Jahren in der Region und darüber hinaus im Bereich der Herstellung von Glaskonstruktionen, Glasfassaden, Fenster- und Fenstertürenkomponenten tätig.
Die Reihe der Unternehmensgespräche der Bürgermeisterin wird im Laufe des Jahres weiter fortgesetzt.

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Untermehmensbesuch der Bürgermeisterin bei „Bahlke und Rothe“.

Es informiert die Stadt Perleberg (inkl. Foto)

 

Rezitatoren im Wettbewerb

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Zehn Teilnehmer wollten die Jury mit ihrer Rezitation überzeugen.

Von Mascha Kaleko über Schiller und Goethe bis hin zu Julia Engelmann war am Mittwochnachmittag auch in diesem Jahr wieder alles vertreten beim bereits 14. Rezitationswettbewerb am Perleberger Gottfried-Arnold-Gymnasium. „Ich freue mich sehr, Vertreter aus allen Klassen der Jahrgänge sieben bis zehn begrüßen zu dürfen“, so Giesela Schulz, Deutschlehrerin und langjährige Organisatorin des Wettbewerbs. „Rezitatoren sind ein wichtiger Bestandteil in der Schule. Neben Auftritten bei Veranstaltungen stärkt die Rezitation vor allem das Selbstbewusstsein und hilft aus sich heraus zu kommen.“
Bewertet wurde in zwei Runden. Im ersten Durchlauf trugen die Teilnehmer ihr eigens ausgesuchtes Gedicht vor, anschließend musste ein zufälliges Gedicht einstudiert und vorgetragen werden. Dabei zählten in der Bewertung vorrangig der Umgang mit dem Text, die Arbeit mit der Stimme, der Bezug zum Publikum und die Arbeit mit Mimik und Gestik. Schließlich vergaben die Jurymitglieder die Punkte, unter ihnen Madita Kudla (11), Romina Dahnke (10.3) und Giesela Schulz als Lehrerin. Als Hilfe der Jury, zum Rechnen und Überprüfen, war Schülerin Maria-Josephine Bock tätig.

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Das sind die Gewinner (vlnr.): 1. Platz Anna-Stine Bock (9.2), 2. Platz Lilly Keck (9.2) und 3. Platz Lilly-Alina Genz (10.2)

Insgesamt gab es in diesem Jahr zehn Teilnehmer, darunter einige, die schon in den Jahren zuvor an dem Rezitationswettbewerb teilgenommen haben. So siegte auch in diesem Jahr die Neuntklässlerin Anna-Stine Bock. „Ich freue mich sehr über den ersten Platz“, berichtet die Siegerin, die auch schon im vergangenen Jahr den ersten Platz belegte. „Trotz leichter Aufregung konnte ich die Jury wieder überzeugen. Ich freue mich sehr, dass es diesen Wettbewerb an unserem Gymnasium gibt.“
Es folgten Lilly Keck (9.2) auf dem zweiten und Lilly-Alina Genz (10.2) auf dem dritten Platz.
Neben einer Urkunde erhalten alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer zudem eine Note im Fach Deutsch für ihre Leistungen.

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Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Jury des diesjährigen Rezitationswettbewerbs.

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Einblicke in den Unterricht am Perleberger Gymnasium

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Eine sprachliche Reise nach Frankreich.

Traditionell bot unsere Schule, das Perleberger Gottfried-Arnold-Gymnasium, den Schülerinnen und Schülern der zukünftigen Jahrgangsstufe 7 einen Einblick in den Unterricht. Etwa 40 Sechstklässler Prignitzer Grundschulen kamen zu der alljährlichen Veranstaltung am Samstagvormittag in das Haus II der Perleberger Bildungseinrichtung. Dabei spielte es keine Rolle, ob bereits die Berechtigung und Empfehlung erwartet wird oder sich die jungen Schüler über den Probeunterricht qualifizieren wollen, alle Interessierten waren eingeladen.
Nach einer Willkommensrede und kurzen Einführung von der stellvertretenden Schulleiterin Marion Krieg konnten in vier Durchgängen Einblicke in die Mathematik und die Naturwissenschaften gewonnen werden, aber auch in die Sprachen Latein, Russisch und Französisch, um die Wahl der zweiten Fremdsprache zu erleichtern.

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Natan Weidler mit seinem Ergebnis des Experimentes in den Naturwissenschaften.

Natan Weidler aus der Grundschule Berge besuchte zuerst den Französischunterricht bei unserer Lehrerin Petra Maaß. Mit „bonjour“ wurden die Schüler begrüßt und im Laufe des Unterrichts erfuhren sie, wie man sich auf Französisch begrüßt und sich nach dem Wohlergehen erkundigt. „Die Aussprache der vielen Wörter gefällt mir sehr“, so Natan Weidler.
Henriette Preuß aus der Perleberger Grundschule Geschwister Scholl war sehr angetan von dem Lateinunterricht der beiden Lehrkräfte Rhea Zierke und Sandra Pein. „Ich habe viele neue Sachen gelernt, darunter wie die Römer gekleidet waren und das viele englische Wörter aus dem Lateinischen kommen“, so Henriette. „Jetzt weiß ich schon gleich viel mehr über das Leben der alten Römer.“

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Getränke und Kekse zur Stärkung in der Pause.

Zur Stärkung gab es zwischendurch eine kleine Pause mit Getränken und leckeren Keksen, bevor es weiterging, wie im richtigen Schulleben am Gymnasium.
Im dritten Durchgang ging es für Angelina Labude aus der Geschwister Scholl Grundschule zu den Naturwissenschaften. Dort lernten die Schülerinnen und Schüler das Chromatografieren von unserer Lehrerin Berit Köster. Dabei werden die Bestandteile der Farben eines schwarzen Stiftes mit Hilfe von Filterpapier gelöst. „Es war sehr interessant, wie sich die Farbe in ihre einzelnen Bestandteile zersetzten, da habe ich einiges dazugelernt“, meint Angelina.
Wie der eigene Name aus Russisch geschrieben wird, lernten die Grundschüler bei Birgitt Günther im Russischunterricht.

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Konzentriert wird gearbeitet bei der Chromatografie in der Naturwissenschaft.

„Das ist eine sehr interessante Sprache“, erzählt Lukas Marquardt aus der Grundschule Karstädt. „Sicherlich auch nicht leicht zu lernen, aber sie gefällt mir sehr.“
Bei Mathematik mit Sabine Stephan qualmten die Köpfe. Dort drehte sich alles um n-Ecke mit der Frage „Wie viele Diagonalen hat ein n-Eck?“, die erfolgreich gelöste werden konnten.
Und schon klingelte es wieder im Schulgebäude. „Geschafft“, der Schnuppertag ist zu Ende. Mit vielen interessanten Eindrücken und neuem Wissen wurden die ersten Unterrichtsstunden für die zukünftigen Siebtklässler am Perleberger Gymnasium mit Bravour gemeistert.

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Zurück in die Antike ging es im Lateinunterricht.

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GEGEN Rassismus und MIT Courage wird am Perleberger Gymnasium GROß geschrieben

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Jeden Mittwoch wird sich getroffen, um sich auszutauschen und um zu diskutieren.

„Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ ist ein Projekt von und für Schülerinnen und Schüler. Es bietet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, das Klima ihrer Schule aktiv mitzugestalten, indem sie sich bewusst gegen die Form von Diskriminierung, Mobbing und Gewalt wenden und einsetzen.
Dem Schulnetzwerk in Deutschland gehören über 2000 Schulen an (Stand: April 2016). Unsere Schule, das Gottfried-Arnold-Gymnasium trägt den Titel schon seit dem 11. April 2008. Seit diesem Schuljahr ist Daniel Pöhl Leiter dieser Arbeitsgemeinschaft und führt so die Arbeit von Lukas Arnold und Jonas Henle weiter. „Zurzeit hat die AG zwölf Mitglieder aus unterschiedlichen Jahrgängen, einige kommen auch von der Oberschule“, berichtet Daniel Pöhl. „Außerdem werden wir schon seit vielen Jahren von Peter Krips unterstützt.“ Peter Krips ist Mitglied in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, dem Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.
Jeden Mittwochnachmittag treffen sich alle Mitglieder der Gruppe im Ganztag unseres Gymnasiums. Dort werden neuen Ideen vorgeschlagen und darüber diskutiert sowie über aktuelle politische Themen gesprochen. All das auf freiwilliger Basis und lehrerunabhängig.
Zu den bisherigen Highlights zählt ganz klar das „Konzert gegen Rechts“ im Jahr 2013. Für dieses Projekt wurde die Gruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ unserer Schule in dem Wettbewerb „Fair bringt mehr“ mit dem ersten Platz ausgezeichnet und nach Potsdam eingeladen. Außerdem werden jährlich die Stolpersteine im Perleberger Stadtgebiet in Gedenken an die Pogromnacht geputzt.
„Als nächstes stehen zwei Veranstaltungen an“, berichtet Daniel Pöhl. „So werden wir am 27. Januar an die Opfer des Holocaust gedenken und voraussichtlich am 12. Februar eine Veranstaltung zum Thema „Kindersoldaten“ durchführen. Außerdem wird es noch Weiteres von uns in diesem Jahr geben.“

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Gruppenbild aller Mitwirkenden vor einem Jahr noch mit Jonas Henle als Leiter der Gruppe „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“.

Text: Merle Roder
Fotos: Marcus J. Pfeiffer

 

Schulstunde mal anders

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Kein Mobbing!

Selbstbewusst „Stopp“ sagen und Mobbing vermeiden – Courage in der Klasse 7.2

Vor einigen Wochen fing der Unterricht für unsere Klasse mal ganz anders an. Im Stuhlkreis begrüßten wir morgens außer unsere Klassenlehrerin Frau Pein, noch zwei andere Frauen in unserem Klassenraum. Andrea und Sandra, so durften wir die beiden nennen. Die beiden Antigewalt- und Kompetenztrainerinnen, die sonst mit schweren Jungs in einer Justizvollzugsanstalt arbeiten, hatten für zwei Unterrichtsstunden das Kommando bei uns übernommen. Mit der „Wilden Acht“ wurden wir aufmerksam gemacht, auf uns selbst. Der Größe nach liefen wir, ohne zu reden, eine Acht. Wir mussten alle aufeinander achten und die Geschwindigkeit anpassen, um uns nicht anzurempeln. Dabei wurde es richtig spannend. Doch was hatte das Ganze mit Selbstbewusstsein und Mobbing zu tun? Es ist das Gegenseitige aufeinander Acht geben und Respekt haben, aber auch die Größe, zu sagen, Nein so nicht!
Distanz und Nähe waren zu spüren, was einigen von uns unangenehm war. Wie weit darf mein Gegenüber mir zu nahe kommen, was gefällt mir nicht mehr? Wo hört der Spaß bei körperlichen Kontakten auf? Mit Magneten an Tafelbildern machten wir Jungs und Mädchen, getrennt voneinander klar deutlich, an welchen Körperteilen wir nicht berührt werden möchten. Wie nah man Kontakt zulassen will, konnte jeder ganz gut einschätzen. Eine ausgestreckte Armlänge ist bei den meisten der Abstand, der nicht unterschritten werden soll. Das probierten wir paarweise in einer nachgestellten Situation aus.

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Keine Gewalt!

Erst vorsichtig, aber dann doch klar, sagten alle laut und deutlich STOPP zu ihrem Rollenspielpartner. Eine einfache Übung, die erst Überwindung kostete, aber dann gut klappte. Etwas ernster war es dann beim schweigenden Aufstehen, hier war es bedrückender. „Stehe schweigend auf, wenn du schon einmal gemobbt wurdest“, „Stehe schweigend auf, wenn Du schon einmal jemandem körperlich wehgetan hast.“, „Stehe schweigend auf, wenn Du dich schon einmal hässlich gefühlt hast.“, oder auch „Stehe schweigend auf, wenn Du schon einmal gelästert hast.“. Das sind nur einige Sätze, die gesagt wurden und fast alle aus der Klasse sind mindestens zwei- oder dreimal aufgestanden. Fast jeder wurde also schon einmal gemobbt oder war auf der anderen Seite und hat mitgemacht. Das gab uns doch schon zu denken.
Bei Mobbing soll keiner wegschauen und schon gar nicht mitmachen. Und jeder, der in eine solche schwierige Situation gerät, soll Hilfe suchen und annehmen. Positiver ging es dann Richtung Schluss mit dem Smiley-Ball zu. Dort warfen wir uns gegenseitig den Ball zu und sagten, was wir am anderen schätzen. Mit Emoji-Kärtchen in verschiedenen Stimmungen verabschiedeten sich Andrea und Sandra. Dieser Schnupperkurs zur Stärkung des Selbstbewusstseins und gegen Mobbing war für alle sehr interessant und hilfreich. Mal schauen, was wir uns so trauen.

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Wie nah darf mir mein Gegenüber kommen? – Tafelbild der Stellen des Körpers, an denen man nicht berührt werden will.   Foto: Connor Arndt

Text: Connor Arndt, Redakteur der GAG Times aus der Klasse 7.2